Ressourcen schonen und Emissionen einsparen heißt es beim Bau des 6. Windrades im Windpark Munderfing

30.09.2021 10:32

EWS Bauleiter Lukas Winkler zeigt, wie es geht

Reduce - Reuse – Recycle: Diese 3 Worte spielen nicht nur in der privaten Konsum- und Lebensweise eine zentrale Rolle, um durch Ressourcenschonung, Emissionseinsparung und Wiederverwertung einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt zu leisten, sondern auch in der Gestaltung betrieblicher Prozesse und Projekte. Das Bauwesen gerät in dieser Diskussion häufig etwas in den Hintergrund, wobei ein erheblicher Teil des durch Güterverkehr aufkommenden Schadstoffausstoßes auf den Baustellenverkehr zurückzuführen ist. Auch die Europäische Kommission hat diesen Handlungsbedarf erkannt und hat sich zum anspruchsvollen Ziel gemacht, die durchschnittlichen CO2-Emissionen durch schwere Nutzkraftfahrzeuge bis 2030 um 30 % im Vergleich zum Jahr 2019 zu senken.

Die EWS, dessen Grundpfeiler sich auf den Innovationsspirit des Umweltschutzes stützen, stellt sich dieser Herausforderung nur all zu gern. So hieß eine der Grundüberlegungen im Zuge des derzeit laufenden Projekts der Erweiterung des Windparks Munderfing um ein sechstes Windrad: Wie lassen sich Effizienz, minimale Ressourcenbeanspruchung und maximale Emissionseinsparung im Bauvorgang optimal kombinieren?

EWS Praktikantin Jana Mitterbauer im Gespräch mit Lukas Winkler

Herr Winkler: Woran wird derzeit im Windpark Munderfing gearbeitet?

Der Bau der Zuwegung und der Kranstellfläche sowie die Verlegung der Erdkabel sind soweit abgeschlossen. Aktuell wird der Bau des Fundamentes vorbereitet.

Die Wahl der Bauart stand unter dem Motto „effiziente Nutzung und Wiederverwertung von vorhandenen Ressourcen“, für welche Vorgehensweise haben Sie sich entschieden?

Die gewählte Bauart wird als „Massenausgleich“ bezeichnet und es geht primär darum, die Bauplanung so zu gestalten, dass das ausgehobene Material auch vor Ort wieder eingesetzt werden kann.

Welche Rahmenbedingungen gilt es dabei zu beachten? Wie wird bei der Planung diesbezüglich vorgegangen?

Um eine Windenergieanlage zu errichten, benötigt man eine vollkommen ebene Baugrube bzw. Kranstellfläche. Da diese Grundvoraussetzung nicht gegeben war – es befindet sich ein Hügel im Bereich der Windkraftanlage - muss das überschüssige Material abgetragen und wieder aufgeschüttet werden. Zusätzlich muss beachtet werden, dass die Zufahrt zur Anlage eine Neigung von ca. 10 % nicht überschreiten darf. Unser Ansatz war es nun herauszufinden, welche Menge an Bodenmaterial ausgehoben werden muss, um genau der eingebrachten Menge zur Aufschüttung und unter Berücksichtigung der Neigung, wieder zu entsprechen und somit die „Masseflüsse bilanziell ausgeglichen“ zu halten.

Mithilfe einer Spezialsoftware zur 3D-Bauplanung gelang es unserem Bauteam in Bruck an der Leitha, die Menge an m3 Baumaterial zu ermitteln die ausgehoben werden muss, um zum einen exakt der Stellfläche des Krans zu entsprechen und zum anderen zur Befestigung und Wiederaufschüttung der Baugrube zu dienen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Unsere Vorgehensweise ermöglicht uns eine weitgehend autarke Bauführung. Im Zuge der Arbeiten im „Windpark Munderfing, Projekt MUF01“, musste kein Aushub abtransportiert und kein Material von „außen“ zugeführt werden. Dies bedeutet Ressourcenschonung sowie erhebliche Reduktionseffekte im Bereich der CO2-Emissionen.

Zur besseren Veranschaulichung: Wir konnten ca. 200 LKW-Fahrten einsparen, wodurch auch die Faktoren Lärmbelästigung und Staubaufwirbelung durch LKWs – welche im Baubereich immer eine zentrale Rolle darstellen – auf ein Minimum reduziert werden konnten.

Welche Firmen- bzw. Kooperationspartner sind am Bauprojekt beteiligt?

Auch die Wahl unserer Kooperationspartner orientiert sich an möglichst effizienten und kurzen Lieferwegen. Wir versuchen so gut es geht mit regionalen Firmen zusammen zu arbeiten. Derzeit sind vorwiegend drei Unternehmen aus Oberösterreich beteiligt: Bernegger GmbH ais Molln OÖ, GLS Energie GmbH aus Leonding OÖ und Geometer Brunner ZT GmbH aus Braunau am Inn. Die Windenergieanlage selbst wird von Vestas geliefert.

Was sind die nächsten Schritte der Bauphase?

Im Oktober wird das Fundament errichtet, daraufhin folgt eine winterbedingte Baupause. Im Mai 2022 erfolgt eine leichte Ertüchtigung der Bestandswege und im Juni die Anlieferung des Großkrans und aller Anlagenkomponenten. Die tatsächliche Errichtung der Windkraftanlage selbst ist für Juli 2022 anberaumt. Der angestrebte Zeitrahmen für die Inbetriebnahme stellt das dritte Quartal 2022 dar.

Wie reagieren die Menschen auf den Bau der 6. Windenergieanlage in Munderfing?

Wie schon 2014 ist auch jetzt die Resonanz aus der Bevölkerung wieder sehr positiv. Die Begeisterung und Zustimmung zahlreicher „Windradbaustellenbesucher“ freut und motiviert uns natürlich sehr.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei der Gemeinde Munderfing und den Munderfinger*innen selbst, für die Zustimmung, Unterstützung und die allseits vorgefundene Hilfsbereitschaft bedanken. Das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit und wir schätzen das wirklich sehr!

Mehr Informationen über den Windpark Munderfing finden Sie hier.

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